Leinenpflicht(en) in Bayern

Hunde und Hundehalter in Bayern können sich glücklich schätzen. In Bayern gibt es keine generelle Leinenpflicht. So geniessen wir an vielen Orten die Freiheit, unsere Hunde ohne Leine laufen zu lassen. Ob nun bei der Wanderung durchs Grüne, auf Bergtour in den bayerischen Alpen, beim Radfahren an der Isar entlang oder gar beim Einkaufsbummel durch einen Ortsteil Münchens – wir sehen viele Hunde, die von ihrem Halter ohne Leine geführt werden.

Jedoch gibt es auch bei uns einige Bereiche, die eine gesetzliche Anleinpflicht beinhalten; so zum Beispiel auf Märkten, in unmittelbarer Nähe von Kinderspiel-plätzen, in Aufzügen, auf Sportanlagen, in entsprechend gekennzeichneten städtischen Grünanlagen. Darüber hinaus regeln unter anderem regionale oder lokale Vorschriften der Gemeinden und der Städte weitere Ausnahmen von der Regel. So wie zum Beispiel im Münchener Innenstadtbereich und in verkehrsberuhigten Bereichen alle Hunde ab 50 cm Schulterhöhe (eingenommen der Rassen Schäferhund, Boxer, Dobermann und Deutsche Dogge) wie auch Hunde, die unter die bayerische Kampfhundeverordnung fallen, angeleint werden müssen.
Im Wald und auf Freiflächen besteht zunächst einmal kein Leinenzwang, sondern das sog. „Betretungsrecht zum Zwecke der Erholung“. Einschränkungen gibt es aber beispielsweise für das Betreten von Landschafts- und Naturschutzgebieten. Nicht betreten darf ein Halter mit Hund landwirtschaftlich genutzte Flächen während der Nutzzeit, gesperrte Forstkulturen und speziell gekennzeichnete Privatwege. Und selbstverständlich gilt das Verbot, wildlebende Tiere zu beunruhigen, zu jagen oder gar zu töten, insbesondere in Jagdrevieren darf daher ein Hund generell nicht frei unbeaufsichtigt laufen gelassen werden. So weit so gut.

Es gibt aus Hundetrainer-Sicht jedoch noch eine weitere sinnvolle (Leinen-)pflicht, die leider häufig außer Acht gelassen wird:

Rücksicht auf Hunde, die an der (Führ)leine geführt werden!

Es gibt eben nicht nur freilaufende Hunde, sondern auch Hunde, die aus unterschiedlichen Gründen (zeitweise) an der Leine geführt werden; sei es zum Beispiel eine läufige Hündin, ein kranker Hund, ein Hund mit starkem Jagdtrieb, ein mit Artgenossen unverträglicher Hund, ein Hund mit einem „Aggressionsproblem“ gegenüber Menschen, ein Tierschutzhund, der sich erst noch „einleben“ muss, ein Hund im öffentlichen Strassenverkehr. Oder schlichtweg ein Hund, der gerade mit seinem Menschen trainiert. Um nur einige Beispiele zu nennen.

Die Leine stellt eine Verbindung zum Halter dar und gibt dem Hund nicht nur einen Radius, innerhalb dessen dieser Hund sich frei bewegen darf, sondern auch einen eigenen privaten (Schutz)-bereich. Dringen fremde Hunde in diesen Bereich ein und suchen die direkte Kontaktaufnahme mit dem angeleinten Hund, wird dieser Schutzbereich durchbrochen.

Wird der angeleinte Hund wiederholt durch fremde, freilaufende Hunde in seinem Schutzbereich gestört, verunsichert, belästigt oder gar bedroht, macht er die Erfahrung, dass die Hundeleine nicht mehr vertrauenswürdig ist. Dies führt häufig dazu, dass der angeleinte Hund Artgenossen in direkter Nähe als Bedrohung empfindet und auf diese zukünftig eher verängstigt oder aggressiv reagieren wird.

Das ist auch dann der Fall, wenn sich zwei Hunde begegnen, die beide an der Leine sind. Der eine Hund zieht in die Richtung des Artgenossen und legt sein gesamtes Körpergewicht nach vorne. Für den anderen Hund bedeutet dies „Alarm!“. Er fühlt, dass sein Schutzbereich verletzt wird und kann darauf ängstlich oder auch aggressiv reagieren.

Ist die Annäherung beider Hunde freundlich und spielerisch, kann es trotzdem zu Verletzungen kommen, zum Beispiel, wenn sich die Leinen verheddern oder sich gar um die Beine der Hunde schlingen.

Rücksichtnahme ist daher auch unter Hundehaltern und im Sinne unserer Hunde unbedingt wünschenswert.

Mein Rat: lassen Sie Ihren freilaufenden Hund nicht zu Hunden laufen, die an der Leine geführt werden! Rufen Sie Ihren Hund rechtzeitig ab und gehen Sie auf Distanz oder leinen Sie Ihren eigenen Hund an, um ein Passieren des anderen Hundes/Halters mit dem erforderlichen Abstand zu ermöglichen.

Autor: Ilka Schröder

Weitere Informationen zur Leinenpflicht in München finden Sie unter

https://www.muenchen.de/rathaus/Stadtverwaltung/Kreisverwaltungsreferat/Sicherheit/Muenchner-Linie.html

Weitere Informationen zum Verhalten in der Natur finden Sie beim Bayerischen Jagdverband unter http://www.jagd-bayern.de/